"Langeneicke ist lebendig"
Freitag, den 17. Februar 2012 um 10:31 Uhr
Der Patriot vom 17.02.2012
Vortrag von „Dorfanwalt" Prof. Dr. Gerhard Henkel stößt auf große Resonanz
Auf eine große Resonanz ist der Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Henkel am Mittwochabend in Langeneicke gestoßen. Der Humangeograph im Ruhestand befasst sich seit 45 Jahren mit dem Lebensort Dorf und gilt als der Fürsprecher des Dorflebens schlechthin. Nicht selten wird er als Anwalt der Dörfer betitelt. In seinem Vortrag, der von der CDU-Ortsunion Langeneicke-Ermsinghausen organisiert wurde, zeigte er Stärken und Schwächen der Dörfer auf und regte an, wie ein Fitnessprogramm für die Zukunft aussehen könnte.
Ein Fitnessprogramm für ihre Dörfer versprachen sich wohl auch die zahlreichen Vertreter der Orte rund um Geseke sowie diejenigen, die eigens aus Warstein, Kallenhardt und sogar aus Taubeneiche gekommen waren. Bekommen haben sie von Henkel zwar nicht das erhoffte Patentrezept, das auf alle Dörfer gleichsam anzuwenden ist, aber durchaus einige Anregungen, die gelähmte Dörfer wiederbeleben können.
Dazu brauche es allerdings vor allem positiv verrückte Leute, die den ersten Schritt gehen, um in Orten etwas zu bewegen. Manchmal kann dies erfahrungsgemäß in sehr kleinen Gemeinden einfacher sein, weil der Zusammenhalt intensiver ist, belegen einzelne Beispiele aus Henkels Buch „Das Dorf", die der Humangeograph für seinen Vortrag auswählte. Ausschlaggebend dafür, dass sich etwas ändere sei jedoch nicht allein die Größe des Ortes, sondern vielmehr dass „man sich einig werden muss und starke Leute braucht", so der Wissenschaftler. Das könne auch ein starker Bürgermeister sein, der mal durchgreift. Und: „Alle müssen anpacken, nicht nur der Ortsvorsteher und zwei Vereinsvorsitzende", sagte der Professor im Ruhestand. Eine gewisse Lähmung, die es in vielen Orten gebe, könne durch oft nur einen Impuls von innen oder außen aufgebrochen werden. Rudolf Degener, Vorsitzender des Langeneicker Heimatvereins, kann sich nur schwer vorstellen, dass die Motivation der Bürger über Jahre anhält. „Anfangs sind die Menschen euphorisch - bis das Engagement nachlässt.", brachte sich Degener in die Diskussion ein.
„Ja, es ist eine Müdigkeit da", bestätigte Henkel. Dennoch lohnt sich die Mühe meist, belegt ein weiteres Beispieldorf aus Henkels Buch. Dort hat sich vor sechs Jahren eine Genossenschaft gegründet, die noch heute besteht und den Dorftreffpunkt erhält.
„Kein einheitliches Erfolgsrezept"
Für eine Veränderung gebe es „kein einheitliches Erfolgsrezept". „Das funktioniert in einer Gemeinde so und in einer anderen ganz anders." Bestes Beispiel dafür sei, dass nicht selten direkt neben lebendigen Dörfern solche zu sehen seien, die wirken als seien sie halb tot, meinte Henkel. „Langeneicke ist sehr lebendig", sagte er. Ein Bild vom Arbeitseinsatz rund um den Kirchpark wollte er gar in seinem Buch „Das Dorf" verwenden. Leider fand die Aktion zwei Wochen zu spät statt, stellte Ortsvorsteher Werner Lohn fest. Für die Umgestaltung des Kirchparks hatte es 2011 einen Sonderpreis beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" gegeben.
Prof. Dr. Gerhard Henkels (M.) Vortrag regte an, wie Dörfer ihre Zukunft sichern können. Er nannte erfolgreiche Beispiele aus seinem Buch „Das Dorf". Ortsvorsteher Werner Lohn (r.) und Heimatvereinschef Rudolf Degener (l.) beteiligten sich an der anschließenden Diskussion. Foto: Jürgens






